|
Stand:
09.04.07
| |
Mecky
auf dem Weg nach Berlin
Erste Fans sind unterwegs nach Berlin
Reportage
|
| Noch ist das entscheidende Spiel der Alemannia
in Karlsruhe um den Aufstieg in die Erste Bundesliga nicht
gespielt, da sind schon die ersten Fans auf dem Weg zum
Endspiel im DFB-Pokal in Berlin. Heute Morgen um 9 Uhr war der
Start am Tivoli …. mit dem Fahrrad. |
|
Michael Mertens und seine Freunde (alle
zwischen 38 und 43 Jahre alt) wollen pünktlich am
Pfingstsamstag zum Anstoß des Endspiels am Berliner
Olympiastadion eintreffen. Begleitet werden die eigentlich
recht ungeübten Radfahrer - "unsere meisten Radtouren führen
uns eigentlich nur zum Bäcker und enden kurze Zeit später
wieder am Frühstückstisch" - von Freunden mit einem
Wohnmobil, sodass Verpflegung und Übernachtung gewährleistet
sind.
Wie die Alemannia-Fans auf diese Idee gekom-men sind, erklärt
Michael Mertens. "Ein Schalke-Fan und Kollege aus Düren
hat dies einmal in die Tat umgesetzt, als seine Mannschaft
2002 gegen Leverkusen im Endspiel stand. Damals sagte ich im
Gefühl des ‚Niemals-Eintreten-Werden', so verrückt wäre
ich nur, wenn die Alemannia auch einmal ins Endspiel kommen würde.
Vor dem Viertelfinale gegen die Bayern wurde ich noch einmal
an diese Aussage erinnert. In Aussicht der geringen Gefahr
habe ich meine vollmundige Aussage bestätigt. Tja, und jetzt
habe ich den Schlamassel. Es ist also eher keine Wette,
sondern mehr eine Frage der Ehre."
Angst vor den Strapazen haben die Tourteilnehmer nicht.
"Genau das und die Skepsis mancher Be-kannter machen
eigent-lich den Reiz aus und wir als Polizeibeamte und
Gewerkschaftsfunktionäre sind es gewohnt, uns für andere den
A…. aufzurei-ßen." Dann bleibt uns nur, den Radlern
viel Erfolg auf ihrem unge-wöhnlichen Weg nach Berlin zu wünschen.
750 km per Rad in einer Woche sind nicht einfach, doch die
Alemannia hat in dieser Saison vorgemacht, dass nichts unmöglich
ist.
|
|
| Sport |
|
30.05.2004
Anstieg zum Fußballgipfel
Fünf Aachener Fans sind mit dem Rad zum Pokalfinale nach Berlin
gefahren
Von Christian Gödecke
Berlin - Im März konnte Michael Mertens noch nicht ahnen, dass
irgendwann die Hölle gefrieren würde. Der 40-jährige Hauptkommissar,
Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei im Rhein- Erft-Kreis und
Sympathisant von Zweitligist Alemannia Aachen, bekam vor dem
DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen Aachen und dem FC Bayern München einen
Anruf vom Gewerkschaftsvorsitzenden aus Düren. Der erinnerte ihn an
eine Wette, die bereits zwei Jahre zurück lag. Damals hatte Mertens
angeboten, mit dem Fahrrad nach Berlin zu fahren, wenn Aachen mal im
Endspiel stehen würde. „Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Aachen mal
ins Pokalfinale kommt, war ja so hoch wie Nachtfrost in der Hölle“,
sagt Mertens heute. Weil die Wahrscheinlichkeit, dass Aachen die großen
Bayern aus dem Pokal werfen würde, gegen Null ging, stimmte Mertens zu.
Doch die Bayern verloren, Alemannia Aachen gewann auch das Halbfinale
gegen Borussia Mönchengladbach – und die Hölle war gefroren. Mertens
musste nach Berlin fahren. Mit dem Rad.
Am Samstag vor einer Woche machte sich der Hauptkommissar auf den Weg
von Aachen nach Berlin: 800 Kilometer in sieben Tagen, durch
Mittelgebirge wie den Harz mit Höhenunterschieden von bis zu 900
Metern. Nicht leicht für einen Hobbysportler wie Mertens, der bisher
„mit dem Fahrrad gerade mal die Brötchen geholt“ hatte. Auch Uwe
Hacking, 41 Jahre alt und wie Mertens Hauptkommissar bei der Polizei,
glaubte nicht an seinen Kollegen. „Ich habe zu ihm gesagt, dass er
diese Strecke nicht schafft. Spätestens im Mittelgebirge ist
Schluss.“ Aber bis dahin wollte Hacking dabei sein, auch um
sicherzugehen, „dass der Michael jeden Meter mit dem Fahrrad fährt“.
Drei weitere Kommissare opferten ihre Freizeit und schlossen sich
Mertens an. Hacking mietete ein Wohnmobil und fuhr als Kartenleser eine
Woche hinter den Kollegen her: „Die körperlichen Strapazen wollte ich
mir nicht antun.“
Michael Mertens fuhr tatsächlich jeden Meter. Am Montag wäre die Tour
aber fast vorbei gewesen. „Der dritte Tag war der entscheidende, da
war im Sauerland unsere ,Königsetappe’ über 162 Kilometer. Ich war
kurz vorm Aufgeben“, sagt Mertens. Dass es weiterging, war vor allem
Gerald Kemmerling zu verdanken. Der 45-Jährige ist der Sportlichste von
allen. Und so musste Kemmerling, der auch schon einen Marathon gelaufen
ist, häufig an vorderster Position fahren, im Wind. „Da konnte ich
nachvollziehen, wie sich Rolf Aldag fühlt, wenn er Jan Ullrich die
Berge hochschleppt.“ Und wer war Jan Ullrich in der Gruppe? „Das war
schon der Michael Mertens. Aber eher Ullrich im Januar, wenn er noch
nicht im Training ist“, sagt Kemmerling. Vielleicht rührte
Kemmerlings Ehrgeiz auch aus der Tatsache, dass er Fan des
Bundesliga-Absteigers 1. FC Köln ist. „Die Fahrt war Buße für den
Abstieg und Wallfahrt, dass der FC im kommenden Jahr wieder in Berlin
spielt.“
Der sportliche Ehrgeiz der fünf Polizisten auf Deutschlandtour wurde
mit jedem Tag größer. Wohl auch deshalb, weil sie lange von Pannen
verschont blieben. Das änderte sich in Magdeburg. Ein Seilzug riss, und
der einzige Fahrradladen weit und breit war geschlossen. Der Besitzer
feierte gerade seine Silberhochzeit. „Nachdem wir geklingelt hatten,
hat der Mann das Jacket ausgezogen, die Ärmel hochgekrempelt und den
Seilzug gewechselt“, erzählt Uwe Hacking. „Die Hilfsbereitschaft
und Gastfreundschaft im Osten war großartig. Ich war ja zum ersten Mal
hier.“
Am Freitagmittag sind Michael Mertens und seine Kollegen am
Olympiastadion angekommen. 809 Kilometer und acht Stunden täglich im
Sattel liegen hinter ihnen. „Diese Tour konnten wir nur im Team
schaffen. Und auch die Alemannia kann im Finale nur bestehen, wenn sie
zusammenhält“, sagt Mertens. Auf einen Sieg wollte er nicht wetten.
Denn zurückfahren möchte er mit dem Auto.
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/30.05.2004/1155105.asp |
 |
Fussball
|
25. Mai 2004 |
 |
Aachen-Fans: 750 km mit dem Rad nach Berlin
|
Aachen/Berlin - "Nächste Woche gibt es wieder ein Endspiel!" Das
war der spontane Trost von Aachen-Präsident Horst Heinrichs. Gerade hatte
seine Alemannia durch ein 0:1 beim Karlruher SC den Bundesliga-Aufstieg
verpasst. 10 000 schwarz-gelbe Fans riefen fast trotzig: "Berlin, wir
fahren nach Berlin." Einige sogar mit dem Fahrrad. Seit Samstag sind
Michael Mertens und Co. mit dem Drahtesel die 750 km zum DFB-Pokalendspiel im
Olympiastadion gegen Werder Bremen unterwegs. Mertens: "Das haben wir für
den Fall der Final-Teilnahme gewettet. Wir haben nie ernsthaft daran geglaubt,
zur Tat schreiten zu müssen." Freunde begleiten die Truppe im Wohnmobil,
sorgen für Verpflegung.
Quellen: Alemania Aachen, Tagesspiegel und Berliner Kurier
|