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Michael Mertens

© GdP 
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Ersteller: 
Karl-H. van Nahmen
khvn@gmx.de


 

 

37. KW - Presse  

 

Presse

 (Quelle: Kölner Stadtanzeiger vom 8. September 2003)

Siehe auch die Seite: Bilder zu "Der Protest geht weiter": mehr ....

 

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„Die Menschen stehen deutlich auf unserer Seite“






Bild: nk
Michael Mertens ist seit drei Jahren Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Erftkreis. Der 40-Jährige ist verheiratet und hat zwei KInder.

 



In dieser Woche protestiert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Bergheim, Frechen, Hürth, Brühl und Erftstadt gegen die Pläne der Landesregierung, das Weihnachtsgeld der Beamten zu kürzen, das Urlaubsgeld zu streichen und die 41-Stunden-Woche einzuführen. Mit dem Vorsitzenden der GdP, Michael Mertens, sprach Norbert Kurth.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Wie ist die Stimmung unter den Kollegen?

MICHAEL MERTENS: Die Leute sind gereizt, regelrecht sauer. Polizisten haben in vielen Situationen für die Bürger und die Politik ihren Kopf hingehalten. Besonders die älteren Kollegen, die noch die Zeiten des Terrorismus mitgemacht haben, die sind enttäuscht von ihrem Dienstherren, sie sind regelrecht wütend - und der Protest wird immer vehementer.

Es geht um Kürzungen beim Weihnachtsgeld, Streichung des Urlaubsgeldes und um die Einführung der 41-Stundenwoche?

MERTENS: Ja. Aber losgelöst von diesen Plänen haben wir schon vor Wochen deutlich gemacht, dass wir landesweit 5000 Beamte und Beamtinnen zu wenig haben. Im Erftkreis sind das zwischen 50 und 70 Kollegen. Jetzt legt man noch ein Schüppchen drauf und will die Arbeitszeit von 38,5 auf 41 Wochenstunden erhöhen, zeitgleich das Urlaubsgeld streichen und das Weihnachtsgeld kürzen. Die Arbeitszeitverlängerung führt dazu, dass weitere Kollegen eingespart werden. Das würde bedeuten, dass es im Erftkreis noch einmal rund 50 Kollegen weniger geben wird. Das hat dann die Größenordnung von zwei Wachen, Pulheim und Erftstadt, Brühl oder Frechen. Dann kommen wir jedenfalls nicht darum herum, über die Schließung der einen oder anderen Wache nachzudenken.

Sollen mit der 41-Stundenwoche die Kosten von sowieso anfallenden Überstunden aufgefangen werden?

MERTENS: Mit der Arbeitszeitverlängerung will man vieles erreichen. Einmal geht es darum, die Überstunden, die wir sowieso schon haben, abzubauen. Auf der anderen Seite will man bei den Personaleinstellungen sparen. Das Land will damit eine verfehlte Politik kaschieren.

Was bedeuten die geplanten Kürzungen für ihre Kollegen?

MERTENS: Es ist ja immer schwierig, wenn man Leuten Geld abnimmt, die ihr Leben geplant haben. Viele Kollegen haben gerade eine Familie gegründet, kleine Kinder und ein Haus gebaut. In solche Finanzierungen fließt das Geld, was man hat, mit ein. Man schüttelt das ja nicht aus dem Ärmel, sondern man braucht jeden Euro und jeden Cent. Und wenn man dann an das bestehende Einkommen herangeht, dann ist das für manche eine mittelschwere Katastrophe. Ich behaupte, es stehen Existenzen auf dem Spiel, die zumindest neu strukturiert werden müssen. Wir haben einen Beruf, der nicht hoch bezahlt ist. Wir sind gut besoldet, das ist in Ordnung so. Aber wir können nicht eben so mal auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld verzichten. Nur, damit das klar ist: Wir reden hier, bei jemand, der mit A 11 besoldet ist, über ein Urlaubsgeld von etwa 255 Euro - brutto. Das Weihnachtsgeld ist übrigens kein 13. Monatsgehalt, sondern beträgt nur 83 Prozent des normalen Gehalts und soll auf 50 oder 60 Prozent gekürzt werden. Ich meine, ein wichtiger Job soll auch gut bezahlt werden.

Die Politiker sprechen viel von Sicherheit und Polizeipräsenz. Wie kommt das bei ihren Kollegen an?

MERTENS: Wir haben die Politiker angeschrieben und gefragt, was sie bereit sind, für die innere Sicherheit zu tun. Und da habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Politiker sich aus ihrer Verantwortung herausstehlen. Selbst Bundestagsabgeordnete verweisen darauf, dass die Polizei Ländersache ist. Sie könnten da nichts tun. Für mich ist das zu einfach. Jeder, der in der Politik ist, hat eine eigene Meinung und sollte die auch kundtun - öffentlich. Ich messen einen Staat und damit seine Regierung daran, wie er mit seinen Beamten umgeht.

Ab Montag gibt es Protestaktionen. Wie geht es weiter?

MERTENS: Wir dürfen zwar nicht streiken, haben aber das Recht zu demonstrieren. Das machen wir von heute an. Wir hoffen, damit weiter Bürger für uns zu gewinnen. Die Menschen stehen schon jetzt deutlich auf unserer Seite. Wir werden darüber hinaus den Dialog mit örtlichen Politikern suchen. Die sollen dann sagen, was sie bereit sind für die Polizei und damit für die innere Sicherheit zu tun. Am 24. September werden wir in Düsseldorf demonstrieren.


(KStA)