ERFTKREIS. Freitagabend, 21.40 Uhr: Rolf Schmickt (39) hat seine Uniform
angezogen und schenkt sich eine Tasse Kaffee ein. Seine Schicht im
Streifenwagen beginnt um 22 Uhr. Bis 7 Uhr am nächsten Morgen wird er
zusammen mit seinem Kollegen Andreas Kordecki (28) in Hürth unterwegs
sein.
21.45 Uhr: Schmickt hat gerade einmal am Kaffee genippt, da meldet
die Zentrale den ersten Einsatz. Im Mühlengrund beschweren sich
Anwohner über einen BMW-Fahrer, der erst durchs Wohngebiet gerast ist
und dann die Nachbarn beschimpft hat. Der Fahrer ist ein alter Bekannter
der Polizei. „Da gibts regelmäßig Ärger“, weiß Kordecki.
Als die Beamten eintreffen, werden sie von einer aufgelösten Frau an
der Haustür empfangen. „Ich wusste nicht mehr, was ich tun soll, da
hab ich die Polizei gerufen“, erzählt sie. „Man muss sich doch
irgendwie zur Wehr setzen.“ Schmickt und Kordecki hören zu, versuchen
die Frau zu beruhigen. Sie stellt einen Strafantrag wegen Beleidigung.
„Viele Menschen, die uns rufen, wollen einfach nur Dampf
ablassen“, berichtet Schmickt auf der Rückfahrt. „Das ist okay,
auch die Betreuung von Bürgern gehört zu unserem Job.“ Der Kaffee
ist in der Zwischenzeit kalt geworden, also wird eine neue Tasse
eingeschenkt. Kordecki wirft einen Blick auf die Diensttauschbörse an
der Tür: Er möchte eine Nachtschicht loswerden und bietet einen
anderen Tag an. „Seit wir so knapp besetzt sind, ist das die einzige
Chance, mal kurzfristig einen Abend freizuhaben“, sagt er. Nur alle
vier Wochen haben die Polizisten ein freies Wochenende.
22.30 Uhr: Die Tour durch Hürth im Streifenwagen beginnt. Die
Beamten fahren die kritischen Punkte ab: Den P+R-Platz am Kiebitzweg,
das Neubaugebiet in Berrenrath, in dem immer wieder Baumaterialien
gestohlen werden, die Kneipen der Stammkundschaft, vor denen nicht
selten Autos parken, deren Besitzer erst vor kurzem den Führerschein
verloren haben. Auf dem Rastplatz Ville-West macht Kordecki eine
Autofahrerin darauf aufmerksam, dass ihr Nebelscheinwerfer eingeschaltet
ist.
23.30 Uhr: Die Polizisten kontrollieren zwei Autos, die auf einer
Betriebsstraße unterwegs sind. Es bleibt bei mündlichen Verwarnungen.
24 Uhr: Zeit für ein Eis an der Tankstelle - und ein paar Infos.
Manchmal gibt es hier wertvolle Tipps, wenn Betrunkene mit dem Auto
angerollt sind und sich mit Nachschub eindecken wollten.
0.30 Uhr: Ein Kölner rast auf der Luxemburger Straße gleich über
zwei rote Ampeln. Die Polizisten stoppen den Wagen, die Situation ist
etwas angespannt. Der Mann hat nichts getrunken, doch Schmickt und
Kordecki lassen ihn nicht aus den Augen. Zurück im Wagen werfen sich
die beiden einen Blick zu. „Der hatte ein Messer in der
Hosentasche“, erklärt Schmickt. „Da war Vorsicht geboten.“
Kordecki nickt. Erst vor wenigen Wochen war er verletzt worden - bei
einem Routineeinsatz. Eltern hatten die Polizei gerufen, weil ihr
kranker Sohn durch die Wohnung tobte.
Kordecki betrat das Haus und hatte in der nächsten Sekunde eine
Faust im Gesicht - keine Chance zu reagieren. „Wir müssen uns immer
wieder anhören, dass wir froh sein können, einen sicheren Arbeitsplatz
zu haben“, ärgert sich der 28-Jährige und klopft auf seine
Schutzweste. „So sicher, dass wir das hier und eine Waffe brauchen.“
Die Nacht bleibt ruhig: Ein Nachbarschaftsstreit, ein älterer Herr,
der sich über Jugendliche vor seinem Fenster beschwert, eine junge
Frau, die Schlangenlinien fährt, weil sie mit ihren Freundinnen
quatscht, gegen 4.30 Uhr eine Fahndung, die kurze Zeit später
abgebrochen wird, eine eingetretene Autotür. „Eine so ruhige Nacht
habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr erlebt“, sagt Schmickt, der auch
die nächste Nachtschicht von Samstag auf Sonntag übernimmt. Und die
ist mit einer Großfahndung in der Eifel, die aus Hürth unterstützt
werden muss, und zwei Bränden alles andere als ruhig.