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 (Quelle: "Sicherer" Job mit Schutzweste und Waffe  Kölnische Rundschau)

 Erftkreis

„Sicherer“ Job mit Schutzweste und Waffe
Von PETRA SCHIFFER

29.08.2003 22:36 Uhr

ERFTKREIS. Freitagabend, 21.40 Uhr: Rolf Schmickt (39) hat seine Uniform angezogen und schenkt sich eine Tasse Kaffee ein. Seine Schicht im Streifenwagen beginnt um 22 Uhr. Bis 7 Uhr am nächsten Morgen wird er zusammen mit seinem Kollegen Andreas Kordecki (28) in Hürth unterwegs sein.

21.45 Uhr: Schmickt hat gerade einmal am Kaffee genippt, da meldet die Zentrale den ersten Einsatz. Im Mühlengrund beschweren sich Anwohner über einen BMW-Fahrer, der erst durchs Wohngebiet gerast ist und dann die Nachbarn beschimpft hat. Der Fahrer ist ein alter Bekannter der Polizei. „Da gibts regelmäßig Ärger“, weiß Kordecki. Als die Beamten eintreffen, werden sie von einer aufgelösten Frau an der Haustür empfangen. „Ich wusste nicht mehr, was ich tun soll, da hab ich die Polizei gerufen“, erzählt sie. „Man muss sich doch irgendwie zur Wehr setzen.“ Schmickt und Kordecki hören zu, versuchen die Frau zu beruhigen. Sie stellt einen Strafantrag wegen Beleidigung.

„Viele Menschen, die uns rufen, wollen einfach nur Dampf ablassen“, berichtet Schmickt auf der Rückfahrt. „Das ist okay, auch die Betreuung von Bürgern gehört zu unserem Job.“ Der Kaffee ist in der Zwischenzeit kalt geworden, also wird eine neue Tasse eingeschenkt. Kordecki wirft einen Blick auf die Diensttauschbörse an der Tür: Er möchte eine Nachtschicht loswerden und bietet einen anderen Tag an. „Seit wir so knapp besetzt sind, ist das die einzige Chance, mal kurzfristig einen Abend freizuhaben“, sagt er. Nur alle vier Wochen haben die Polizisten ein freies Wochenende.

22.30 Uhr: Die Tour durch Hürth im Streifenwagen beginnt. Die Beamten fahren die kritischen Punkte ab: Den P+R-Platz am Kiebitzweg, das Neubaugebiet in Berrenrath, in dem immer wieder Baumaterialien gestohlen werden, die Kneipen der Stammkundschaft, vor denen nicht selten Autos parken, deren Besitzer erst vor kurzem den Führerschein verloren haben. Auf dem Rastplatz Ville-West macht Kordecki eine Autofahrerin darauf aufmerksam, dass ihr Nebelscheinwerfer eingeschaltet ist.

23.30 Uhr: Die Polizisten kontrollieren zwei Autos, die auf einer Betriebsstraße unterwegs sind. Es bleibt bei mündlichen Verwarnungen.

24 Uhr: Zeit für ein Eis an der Tankstelle - und ein paar Infos. Manchmal gibt es hier wertvolle Tipps, wenn Betrunkene mit dem Auto angerollt sind und sich mit Nachschub eindecken wollten.

0.30 Uhr: Ein Kölner rast auf der Luxemburger Straße gleich über zwei rote Ampeln. Die Polizisten stoppen den Wagen, die Situation ist etwas angespannt. Der Mann hat nichts getrunken, doch Schmickt und Kordecki lassen ihn nicht aus den Augen. Zurück im Wagen werfen sich die beiden einen Blick zu. „Der hatte ein Messer in der Hosentasche“, erklärt Schmickt. „Da war Vorsicht geboten.“ Kordecki nickt. Erst vor wenigen Wochen war er verletzt worden - bei einem Routineeinsatz. Eltern hatten die Polizei gerufen, weil ihr kranker Sohn durch die Wohnung tobte.

Kordecki betrat das Haus und hatte in der nächsten Sekunde eine Faust im Gesicht - keine Chance zu reagieren. „Wir müssen uns immer wieder anhören, dass wir froh sein können, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben“, ärgert sich der 28-Jährige und klopft auf seine Schutzweste. „So sicher, dass wir das hier und eine Waffe brauchen.“

Die Nacht bleibt ruhig: Ein Nachbarschaftsstreit, ein älterer Herr, der sich über Jugendliche vor seinem Fenster beschwert, eine junge Frau, die Schlangenlinien fährt, weil sie mit ihren Freundinnen quatscht, gegen 4.30 Uhr eine Fahndung, die kurze Zeit später abgebrochen wird, eine eingetretene Autotür. „Eine so ruhige Nacht habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr erlebt“, sagt Schmickt, der auch die nächste Nachtschicht von Samstag auf Sonntag übernimmt. Und die ist mit einer Großfahndung in der Eifel, die aus Hürth unterstützt werden muss, und zwei Bränden alles andere als ruhig.

(KR)
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