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96 Cent für die Polizei

VON TIM KANNING,
02.09.03, 07:17h, aktualisiert 10:57h

Bei 559 Politikern aus dem
Erftkreis klingelte in den vergangenen Tagen der Postbote.
Im Auftrag der Kreisgruppe Erftkreis der Gewerkschaft der
Polizei (GdP) sollte er Postkarten verteilen. Mit der
Frage „Was sind Sie bereit, für Ihre Polizei und damit
für die Sicherheit der Bürger zu tun?“ waren die Damen
und Herren plötzlich an der Haustür konfrontiert.
Lange Bedenkzeit bekamen sie nicht. Denn kaum dass die
Botschaft ihren Empfänger erreicht hatte, wollte der
Postbote Geld sehen - genau 96 Cent. Nicht etwa, dass dies
nach neuestem Tarif der Preis für das gute Gewissen und
die Sicherheit der Bürger wäre. Eigentlich hatte die GdP
bloß im Sinn gehabt, die Politiker aller Parteien, vom
Kommunalpolitiker bis zum Bundestagsabgeordneten, vor
negativen Folgen der geplanten Sparmaßnahmen zu warnen.
Und zwar gratis. Dafür hätte die Post jedoch die Karten
frankieren müssen, was in den „Verwaltungsschluchten
der Post“, so die GdP, allerdings vergessen worden war.
„Wenn weise Menschen nicht irrten, müssten die
Narren verzweifeln“, resümierte der Vorsitzende der
Kreisgruppe, Michael Mertens.
Laut Gewerkschaft hätten viele der politischen
Entscheidungsträger den Fehler durchschaut und sich auf
die Aktion hin telefonisch hinter die Gewerkschaft
gestellt - oder sogar Spenden angeboten, die deutlich über
die 96 Cent Nachporto hinausgingen.
So großzügig waren indes nicht alle. 26 der
unfrankierten Karten kamen postwendend zurück - mit dem
Hinweis: „Annahme verweigert“.
(KStA)
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