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  (Quelle: Mit 65 noch Streife fahren?  Kölnische Rundschau)

 

Erftkreis

Mit 65 noch Streife fahren?
Von PETRA SCHIFFER

25.07.2003 22:38 Uhr

ERFTKREIS. „Polizeinotruf 110: Wir kommen, später . . . nicht immer, aber immer öfter.“ Gut 70 Polizisten nahmen gestern Abend bei einer Demonstration in Brühl kein Blatt vor den Mund: Vor dem Empfang des NRW-Ministerpräsidenten Peer Steinbrück im Schloss Augustusburg machten sie ihrem Ärger Luft und protestierten gegen die Einführung der 41 Stunden-Woche, die Verlängerung der Arbeitszeit, und die Kürzung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Steinbrück und Innenminister Fritz Behrens nahmen sich vor dem Konzert eine halbe Stunde Zeit, um mit den Polizisten zu diskutieren. Beide erklärten die schwierige Finanzsituation des Landes und warben bei den Beamten um Verständnis.

„Keine Weihnachtsgeschenke, kein Urlaub, aber mit 65 noch Streife fahren“, kritisieren die Polizisten mit Karikaturen auf einem „Fluchblatt“. „Diese Maßnahmen haben nur ein einziges Ziel: Langfristig noch mehr Personal zu sparen, und das können wir nicht hinnehmen“, sagt Michael Mertens, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Erftkreis. Der Frust bei Bürgern und Polizisten wachse, weil die Beamten oft nicht schnell genug vor Ort sein könnten. Wenn die Polizei endlich eintrudele, sei der Bürger sauer und lasse seinen Ärger nicht selten an den abgehetzten Kollegen.

„Im Sommer sind wir gar nicht mehr in der Lage, alle gemeldeten Ruhestörungen abzufahren, es fehlt einfach die Kapazität“, berichtet Mertens. Bei einem weiteren Personalabbau liefen die kleineren Wachen in Erftstadt, Brühl, Pulheim und Wesseling sogar Gefahr, aufgelöst zu werden.

Einen Vorschlag, woher das Geld für mehr Personal bei der Polizei kommen soll, hat der GdP-Vorsitzende auch parat: „Die Erhöhung der Tabak- und Versicherungssteuer ist komplett an das Bundeskriminalamt und den Bundesgrenzschutz geflossen, von diesem Kuchen sollte die Polizei vor Ort in den Ländern und Kreisen auch ein Stück abbekommen.“

Ein Lob für Innenminister Behrens hatten die Beamten bei aller Kritik übrigens doch noch übrig: Seit Anfang des Jahres schlägt jeder angehende Polizist automatisch die gehobene Laufbahn ein. Das bedeutet nicht nur eine höhere Qualifikation, die von den Einsteigern verlangt wird, sondern auch mehr Geld für die Beamten.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Polizisten vor dem Schloss demonstriert und das Gespräch mit dem Innenminister gesucht. Nach dieser Aktion wurde der Personalstamm im Erftkreis um sieben Stellen aufgestockt.

(KR)
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