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Artikel des Kölner Stadtanzeigers zur Thematik Einbruch

Kölner Stadtanzeiger Panorama


Einbruch - leicht gemacht



Diebe suchen sich Ziele spontan aus, unaufmerksame Nachbarn machen es ihnen leicht.

Köln - Leo Kahl wurde Berufsverbrecher aus Bequemlichkeit: „Von einem Einbruch konnte ich zwei Wochen gut leben“, erzählt der Häftling. „Das war in einer Stunde leicht verdientes Geld.“ Marc Kaiser (Namen geändert) ging mehrmals pro Woche auf Einbruchstour: „Irgendwann war das, wie ins Büro zu fahren“, sagt er. Auch Kaiser sitzt wegen Einbruchdiebstählen im Gefängnis. Ein Polizist bestätigt das geringe Risiko, entdeckt zu werden: „Jeder Einbrecher, der auf frischer Tat erwischt wird, hat davor mindestens schon 50 Einbrüche begangen, bei denen er nicht erwischt wurde.“

Wie Einbrecher ticken, wie sie ihre Aktionen planen, wo sie am liebsten zuschlagen - das wollten Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum im Auftrag des Deutschen Forums für Kriminalprävention (DFK) in Bonn wissen. Die Kriminologen befragten 27 Profi-Einbrecher, die in fünf deutschen Haftanstalten ihre Strafen absitzen, außerdem Polizisten und Versicherungsfachleute. Ziel der jetzt veröffentlichten Studie war es, auf Basis des Täterwissens neue Präventionstechniken zu entwickeln.

Die wenigsten der befragten Einbrecher wurden auf frischer Tat ertappt. Selten dauert ein Einbruch länger als 20 Minuten. „Da muss man schon extremes Pech und die Polizei großes Glück haben“, sagte ein Tatverdächtiger den Forschern. Eine häufig geäußerte Vermutung konnten die Wissenschaftler erhärten: Im Gefängnis verfeinern offenbar viele Täter ihre Methoden. „Die meisten kommen schlimmer raus, als sie rein sind“, berichtete ein Häftling. Ein anderer bekennt: „Ich habe im Prinzip alles im Knast gelernt.“ Als Konsequenz schlagen die Forscher vor, „einschlägige Täter“ von ihren Mithäftlingen zu trennen.

Eine weitere überraschende Erkenntnis aus der Studie: Viele Täter spekulieren darauf, dass Nachbarn und Passanten Einbruchslärm zwar wahrnehmen, sich aber nicht weiter darum kümmern. Ein Einbrecher berichtet: „Das hat schon übelst geschallt. Irgendwann hat man sich schon gefragt: Machen die sich hier keine Gedanken oder was?“ Die meisten Einbrüche gehen allerdings eher geräuschlos vonstatten, vor allem, wenn die Täter auf Kipp stehende Fenster erspähen: „Jedes gekippte Fenster geht auf“, versicherte einer. Auf diese Weise habe er „ganze Straßen gemacht“.

Die meisten Einbrecher schlagen spontan zu, kundschaften den Tatort nicht lange aus. Hunde haben laut Studie kaum abschreckende Wirkung, gut sichtbare Alarmanlagen schon eher. Viele Täter fahren mit gestohlenen Autos vor. Bloß einer der Befragten kam mit dem Bus: „Das habe ich im Nachhinein bereut“, sagte er, „denn da stand noch ein Fernseher rum.“


15 Sekunden reichen


Wann und wie schlagen Einbrecher am häufigsten zu? Das verrät ein Blick in die Polizeistatistik:

Die meisten Diebe kommen zwischen 18 und 20 Uhr.

Nachts passieren - entgegen der herrschenden Auffassung - nicht mal zehn Prozent aller Wohnungseinbrüche.

Urlaubszeit ist Einbruchszeit? Falsch. Die Täter bevorzugen nicht etwa die Sommerzeit, sondern die früh einsetzende Dämmerung im Herbst und schlagen vor allem in den „dunklen Monaten“, also im November, Dezember und Januar zu.

Etwa drei Viertel aller Einbrüche werden in Mehrfamilienhäusern verübt, meistens in den Parterrewohnungen.

Selten brauchen die Täter länger als 15 Sekunden, um in ein Einfamilienhaus einzusteigen.

Terrassentüren und Fenster werden in der Regel mit Brecheisen und Schraubenziehern aufgehebelt. Sie sollten deshalb mit entsprechenden Vorrichtungen gesichert werden. (ts)


(KStA)

Quelle